Tash Aw verbindet Fiktion mit realen Orten und dem Thema Arbeitsmigration. „Wir, die Überlebenden“ ist True-Crime-Story und Sozialkritik zugleich.
Arbeitssuchende Migranten auf einem Fischmarkt in Malaysia Foto: Elizabeth Fitt/SOPA Images/LightRocket/getty images
Für seinen vierten Roman „We, the Survivors“ wählt der malaysische Autor Tash Aw eine interessante Konstruktion: Der Mörder erzählt zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember einer engagierten Soziologiestudentin seine von Aufstiegshoffnung und Rückschlägen gezeichnete Lebensgeschichte, anfangs für ihre Abschlussarbeit, bis sie daraus eine Art sozialer True-Crime-Story entwickelt, gelegentlich ausgeschmückt mit Regieanweisungen wie in einem...
Ah Hock kommt aus einer armen Arbeiterfamilie. Sein Vater verlässt seine Mutter und ihn, als er noch ein Kind ist, dem niemand offen erklärt, warum die Erwachsenen welche Entscheidung treffen. Alles, was er mitbekommt, sind plötzliche Veränderungen, etwa, als seine Mutter mit ihm zu „Onkel Kiat“, einem entfernten Cousin des Vaters, zieht, der deutlich wohlhabender scheint als der Rest des Dorfes. Abrupt endet bald auch diese Verbindung.
Von Schule ist bald keine Rede mehr. Ah Hock jobbt als Glasflaschenauslieferer, Kellner und Nachtwächter in der Hauptstadt, trifft dort Keong wieder, der inzwischen dealt, kehrt zurück in die Hafenstadt Klang, wo er auf einer Fischfarm zum Vorarbeiter aufsteigt. Er verliebt sich in seine zukünftige Frau Jenny – sie kommt aus etwas besseren Verhältnissen, und der Druck, ihr etwas zu bieten, prägt die Ehe.
Er hat sich in ihrer Vorstadtwelt genau umgesehen, nimmt Details wahr wie die im Straßenstaub ergrauten Palmen, Betonböden und in dänischen Butterkeksdosen verwahrten Ersparnisse, fast mehr aber noch Gefühlsnuancen von Scham und Neid, die seinen Protagonisten quälen, ausbremsen, in die falsche Richtung drängen.