1992 ging die Polizei in Berlin auf „Entenjagd“ und versuchte, den Kaufhauserpresser Dagobert zu fassen. Ein Gespräch mit dem Jäger und dem Gejagten von damals
Textor: Ihn als Robin Hood zu betrachten, wäre Quatsch. Dagobert hat schließlich kein Geld an Arme verteilt.
Und vorher haben Sie ihn nie gesehen, obwohl er die Polizei und damit auch Sie monatelang genarrt hatte? Textor: In der Öffentlichkeit hieß es, dass er uns an der Nase herumgeführt habe. Unsere Einsätze sind manchmal nicht ohne, ein Mitarbeiter wurde bei einem SEK-Einsatz erschossen. Deswegen ist es mir schon auf die Nerven gefallen, wenn die Berichterstattung ins Hämische ging.Die selbst gebastelte Lore, mit der in Berlin die Geldübergabe an den Kaufhauserpresser Dagobert scheiterte. In einer Holzkiste wurde das Geld auf der Lore befestigt.
Dagobert hatte Stolperdraht installiert, bei der Berührung gingen Chinaböller hoch. Alle sind in volle Deckung gegangen. Das war wirklich Slapstick.Mit Ihrem Wissen hätte aus Arno Funke ein Wissenschaftler werden können, ein Physiker, vielleicht sogar der Bundeskanzler. Stattdessen wurden Sie Dagobert.
Textor: Hätte er nach dem Erhalt des ersten Lösegeldes aufgehört, wäre er einer der wenigen Erpresser gewesen, der nie gefasst worden wäre. Textor: Ich hatte in meiner Laufbahn als SEK-Chef etwa 25 Fälle von schwerwiegenden Erpressungen und Geiselnahmen. Aber dieser Fall war anders. Er war der aufwändigste, längste und teuerste Einsatz. Er kostete den Berliner Steuerzahler ungefähr zehn Millionen Mark.
Textor: Sie glauben gar nicht, wie schwer es für einen Schutzpolizisten ist, der im Dienst immer nur Uniform trägt, plötzlich in Zivil unauffällig zu wirken.Dagobert ist der einzige Kriminelle, den der einstige SEK-Chef Martin Textor heute noch privat trifft. Hier bei unserem Interview im Köpenicker Ausflugslokal.Textor: Er hat sich schon etwas einfallen lassen. Das für mich schönste Ding war die Geschichte mit der Lore. Das hatte was Skurriles.
Textor: Eine Zeitlang hatte ich sogar gedacht, Dagobert könnte auch ein Polizist sein. Er wusste ja immer, was wir machen. Haben Sie als Dagobert damals ein Gefühl des Triumphes verspürt, wenn Sie der Polizei mal wieder entwischt waren?